Ein Kart-Rennen in Ischgl: Der Gipfel der Sinnlosigkeit!

Ein Kart-Rennen in Ischgl: Der Gipfel der Sinnlosigkeit!
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Ich muss meiner Meinung Ausdruck verleihen: Es gibt für mich kaum etwas, das sinnloser ist als Kartsport, Formel 1 oder was auch immer. Männer, die im Kreis fahren und dabei immer wieder größere und kleinere Unfälle verursachen. Zuschauen tun meist auch Männer zuhause auf ihren Couchen, mit einem Bier in der Hand. Ich persönlich konnte mir nie mehr als 4 Runden bei der Formel 1 ansehen bevor mir die Augen zufielen. Auch die Motorgeräusche hielten mich nicht wach, sondern ließen mich durch den gleichbleibenden Klang nur noch weiter in die Welt der Träume gleiten.

Die Frage aller Fragen war damit einfach gestellt: Wie konnte jemand wie mein Vater, mit dem ich also doch gewisse Gemeinsamkeiten haben sollte, sich so etwas ansehen? Wie konnte er am Sonntag auf der Couch liegen anstatt zum Wandern rauszugehen? Wie konnte er sich da mehrere Runden mit Interesse freiwillig reinziehen? Wie konnte er gar auf seinen wohlverdienten Schlaf verzichten, wenn es mal bei einem Rennen eine deutliche Zeitverschiebung gab und das Rennen also Nachts in unseren Breiten übertragen wurde? Ich verstand es schlicht und einfach nicht. Ganz und gar nicht. Und verstehe es heute immer noch nicht.

Für mich war und ist Formel 1 der dümmste Sport überhaupt, so man es denn Sport nennen kann. Für mich ist es eher ein Kampf darum, welches Auto den besten Motor hat und wer in Sachen Technik die Nase vorne hat. Für mich hat Sport aber vielmehr mit körperlicher Leistung zu tun. Von daher: In Sachen Formel 1 und Kartsport handelt es sich also in Bezug auf Sport um eine klare Themen-Verfehlung.

Formel 1 im „Mini-Format“ in Ischgl: Muss das wirklich sein?

Jetzt muss mir unter diesen Gesichtspunkten mal bitte jemand erklären, warum man in (hoffentlich) völligem Besitz seiner geistigen Fähigkeiten ernsthaft so etwas wie die Formel 1 in Mini-Format nach Ischgl bringen muss? Ich meine: Ischgl! Das ist für mich ein Ort, an dem natürlich hin und wieder die sprichwörtliche Post abgeht und vor allem im Winter gefeiert wird, was das Zeug hält. Aber Ischgl ist für mich auch ein Ort, an dem das Feine und das Subtile Platz haben.

Kartfahren in Ischgl: Es ist vorbei mit der Ruhe und dem Subtilten! (Bild: TVB Ischgl)

Kartfahren in Ischgl: Es ist vorbei mit der Ruhe und dem Subtilten! (Bild: TVB Ischgl)

Ein Ort, an dem Wellness und Kulinarik  großgeschrieben werden. Nicht umsonst finden sich die besten Köche Tirols oder gar Österreichs in Ischgl und kochen dort groß auf. Ischgl ist ein Ort, an dem Gäste das Besondere schätzen. Bisher dachte ich auch, dass die meisten Gäste, zumindest im Sommer, die gepflegte Ruhe und die kultivierte Atmosphäre von Ischgl schätzen.

Doch weit gefehlt! Ischgl hat offenbar nichts besseres zu tun, als den Lärm in diese Ruhe hineinzuholen. Vom 25. – 28. Juni wird Ischgl, so steht es auf der Veranstaltungsseite, zum Monte Carlo des Kartsports. Offenbar geben sich dann Promis, Privatpersonen oder auch ganze Firmen die Ehre und rasen auf einem 600 m langen Rundkurs mitten durch das Stadtzentrum.

Schön also, dass es im Stadtzentrum so richtig laut werden wird, Abgase in die Luft geblasen werden und man eventuell einigen B- oder C-Promis über den Weg läuft. Ich könnte mir wahrlich kaum etwas Schöneres vorstellen. Zumindest jetzt mal ein bisschen sarkastisch gesagt.

Kartfahren mitten durch Ischgl? Muss das wirklich sein?

Kartfahren mitten durch Ischgl? Muss das wirklich sein? (Bild: TVB Ischgl)

Aber: Vielleicht bin ich ja im Irrtum! Ich hätte mich damals mit meinem Vater auf die Couch hauen, mich ganz auf die beruhigenden Motorgeräusche einlassen sollen und merken, dass da sportlich doch sehr viel dahinter ist. Wer diese vielen Runden in einem solchen Auto übersteht, der muss ganz schön eine Kondition haben. Außerdem ist Formel 1 ja irgendwie doch ein Team-Sport. Denn ohne ein richtig gutes Team in der Box ist auch der beste Fahrer nichts.

Außerdem erinnerte ich mich jetzt daran, dass ein Freund einst bei einem Formel 1 Rennen dabei gewesen war. Er war bisher auch kein Fan gewesen. Aber der „Sound“ der Motoren vor Ort hätte ihn absolut begeistert. Das sei so martialisch gewesen und doch irgendwie beruhigend. Außerdem: Wenn man die Fahrer so an einem vorbeirauschen sieht, dann merkt man doch irgendwie, dass das wilde Hunde sind. Selbst traut man sich das ja doch nicht…

Kurzum: Ich war doch irgendwie gespaltener Meinung. Schließlich muss man seine eigene Haltung hinterfragen. Das heißt also: Vielleicht begebe ich mich gar nach Ischgl. Und schaue mir so ein „Mini-Formel-1“ Rennen doch einmal aus der Nähe an. Unter Umständen würde ich den unglaublichen Reiz eines solchen Im-Kreis-Fahrens dann endlich erkennen? Vielleicht wäre es aber auch so, dass man nach so viel Lärm einfach die Ruhe und Wellness noch mehr schätzt?

Ich würde sehen. Vielleicht. Wichtig ist: Immer offen bleiben und Dinge nicht einfach abtun.

Was meint ihr zu solchen Veranstaltungen? Sinnlos oder Bereicherung? Und die Gretchenfrage kommt natürlich zum Schluss: Sagt, wie haltet ihr es mit dem Motorsport?