Der Winter in Ischgl: Leider geil!

Der Winter in Ischgl: Leider geil!
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Immer wenn ich Menschen über Ischgl sprechen hören, dann wird mir eines klar: Ischgl scheint ein Ort der Superlative zu sein. Hotels, die 5 Sterne und mehr haben. Köche, die zu den absolut besten in Tirol und Österreich gehören. Die höchsten Konzerte kann man ebenfalls in Ischgl erleben. Auch in Sachen Pistenkilometer spielt Ischgl ganz vorne mit. In Sachen Ausstattung lässt sich Ischgl auch nicht gerade lumpen. Doch wozu brauchen wir eigentlich diese Superlative? Und was ist dieser ganz besondere Reiz von Ischgl?

Ich sage es einfach mal so: Menschen neigen ja dazu, nur das Beste und das Feinste haben zu wollen. Vor allem wenn ein paar Euro mehr als normalerweise auf dem Bankkonto liegen. Ich beneide diese Leute eigentlich nicht unbedingt, zumal dieses mehr an Geld ja auch mit einem mehr an Status beantwortet werden muss.

Sprich: Wenn ich schon mal reich bin, dann muss ich auch automatisch andere Klamotten tragen, andere Autos fahren und ganz generell anders auftreten. Und selbstverständlich muss ich an anderen Orten Urlaub machen und in anderen Hotels absteigen. Alles in allem bleibt dann gar nicht mehr Geld übrig, sondern geht eben für diesen ganz konkreten neuen Lifestyle drauf.

Die Pisten in Ischgl. Superlative! Aber das wisst ihr ja sicher schon...

Die Pisten in Ischgl. Superlative! Aber das wisst ihr ja sicher schon…

Keine Frage in dieser Sache ist: Ischgl ist ein solcher Ort, an dem man einfach sein muss. Ein Ort, an dem sich Trendsetter, Genießer, Reiche und solche die es gerne wäre ein fröhliches Stelldichein geben. Kein Wunder also, dass Ischgl da mithalten muss. Denn die Gäste von Ischgl sind schlicht und einfach anspruchsvoll. Wer da nicht die besten Köche hat, die Hotels mit den meisten Sternen und die höchsten Konzerte überhaupt, der kann eigentlich gleich schon wieder einpacken.

Ischgl: Ein Ort der Superlative und halt einfach „leider geil“…

Doch ganz so einfach ist das mit Ischgl dann doch wieder nicht. Ich neige ja dazu ein wenig zu übertreiben und Dinge auch mal relativ voreilig schlecht zu finden. Natürlich kann man an dem Gehabe von so manchen Gästen in Ischgl etwas eher Abstoßendes finden. Natürlich könnte man sagen, dass das alles doch ein wenig künstlich, aufgesetzt und inszeniert ist. Von wegen Hot-Spots in den Alpen und so weiter. Der Sachverhalt ist aber ein anderer.

Shopping in Ischgl: Auch hier wird mit Superlativen nicht gegeizt!

Shopping in Ischgl: Auch hier wird mit Superlativen nicht gegeizt!

Ich habe das Gefühl, dass Ischgl im Winter ein Ort ist, an dem vieles kulminiert, auf die Spitze getrieben wird. Ganz so, als ob man mitten in Tirol wäre und doch zugleich nicht. Die Superlative sind nur ein Ausdruck dessen, was man in Ischgl geboten bekommt. Komprimierter als hier bekommt man nirgends mehr Shoppingmöglichkeiten, mehr gute Hotels und mehr hervorragende Köche. Das ist wohl auch das „Geheimnis“ von Ischgl. Etwas auf die Spitze zu treiben, ein wenig „over-the-top“ sein. Fast schon zu viel von allem bieten.

Wenn 5 Sterne nicht reichen, muss man ganz einfach hier "absteigen" ;-)

Wenn 5 Sterne nicht reichen, muss man ganz einfach hier „absteigen“ 😉

Kurzum: Ischgl ist halt doch „leider geil“. Wenn ich ansonsten auf sehr gut essen will und Spitzenköche haben will, muss ich doch einige Kilometer in Kauf nehmen. Hier komme ich überall zu Fuß hin, kann an einem Abend bei Martin Sieberer essen und am nächsten Abend auch schon bei Benjamin Parth einkehren.

Ich kann an einem Tag drunter im Tal absolut Top-Wellness-Angebote nutzen und am nächsten Tag auch schon am Berge bei einem Konzert stehen. Ischgl bietet mir eine geschickte und kluge Inszenierung der Möglichkeit, zusammengedrängt auf einem relativ überschaubaren Raum auf einen relativ überschaubaren Zeitraum.

In der Wintersaison ist Ischgl definitiv ein andere Ort als im Sommer. Da steppt der Bär und weiten sich die Möglichkeitsräume, dass es nur so kracht. Man muss sich Ischgl als einen Ort der unzähligen Superlative und der endlosen Möglichkeiten vorstellen. Das kann man definitiv nicht von jedem Ort in Tirol behaupten. Im Winter ist Ischgl aber tatsächlich, ohne Übertreibung, ein Ort, den man erlebt haben muss. Er vibriert geradezu vor Energie.

In diesem Sinn ist es natürlich schade, dass sich die Wintersaison auch schon dem Ende zu neigt. Vielleicht noch schnell mal ein paar Tage ins Trofana Royal? Vielleicht noch mal schnell all die Superlative in kurzer Zeit ausgekostet? Für mich jedenfalls eine Überlegung wert. So bleibt nur zu sagen: der Winter in Ischgl war „leider geil“!