Ein 5 Sterne S Hotel in Tirol – Teil II: Von L wie Lage bis V wie von der Thannen

Ein 5 Sterne S Hotel in Tirol – Teil II: Von L wie Lage bis V wie von der Thannen
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Was macht man, wenn man schon mal im Trofana Royal ist? Richtig: Man interessiert sich dafür, das Phänomen dieses Hotels, wenn schon denn schon, ausführlich zu ergründen. Nicht einfach mal so zu sagen, dass das ein Top-Hotel sei und gut damit. Das „Trofana Royal“ in Ischgl ist nämlich viel mehr: Es ist ein gewachsenes und sich stetig verbesserndes Hotel, bei dem Hans von der Thannen die Vorarbeit dafür geleistet hat, auf der Alexander von der Thannen heute aufbauen kann. Und wie ihr wisst ziehe ich definitiv nicht von dannen ohne mit dem Chef höchstpersönlich gesprochen zu haben. Seine Antworten überraschten mich. Und brachten mich ins Grübeln.

In meinem vorangegangenen Text hatte ich ja darauf hingewiesen, was mir beim Trofana Royal in Ischgl wichtig war: Die Kulinarik und der Genuss. Das Gespräch mit Martin Sieberer war hochinteressant und der kurze Besuch im Weinkeller schlicht und einfach spektakulär. Auch dem neuen Wellnessbereich stattete ich einen Besuch ab. Auch toll. Keine Frage. Am Puls der Zeit und doch reduziert. Dutzende Saunen und fernöstliche Massagen waren die Sache vom „Trofana Royal“ nicht. Hier wurde stattdessen auf Qualität und Stil gesetzt. Gut so!

Wellnessbereich neu im Trofana Royal: Gefällt!

Wellnessbereich neu im Trofana Royal: Gefällt!

Was mich aber viel mehr interessierte, und diese Frage richtete ich gleich mal an Alexander von der Thannen: Was macht das „Trofana Royal“ zu etwas besonderem, was hebt es hervor?Seine erste Antwort überraschte mich einigermaßen, wenn ich so ehrlich sein darf. Er antwortete nämlich mit „Lage, Lage, Lage.“ Er sei der Meinung, dass es viele Hotels in Tirol gäbe, die auf Gourmet und Wellness setzen. Letztlich würde aber die Lage direkt an der Skipiste das „Trofana Royal“ in Ischgl zu etwas so besonderem machen.

Das Trofana Royal in Ischgl: „Lage, Lage, Lage“…

Ihr könnt euch natürlich vorstellen, dass ich Einspruch erheben wollte. Vor allem nachdem ich mit Martin Sieberer geredet hatte und nachdem ich den irrwitzig großartigen Weinkeller gesehen hatte. Aber er hatte ja durchaus Recht. Gäbe es die Lage nicht, würde auch die ganze Qualität und das Thema Gourmet nichts helfen. Der breiten Masse wäre es im Winter wohl trotzdem nicht egal, wenn sie kilometerweise zum Skigebiet laufen müssten.

Für mich ist es ein wenig desillusionierend: Wellness und Kulinarik sind auch in Ischgl fast nur Beiwerk zum Eigentlichen: Zum Skifahren! Muss ich wohl so akzeptieren, ob ich will oder nicht. Vermutlich bin ich einfach nur ein Sonderling, dem Skifahren nicht wirklich wichtig ist. Der größeren breiten Masse war Skifahren aber enorm wichtig.

Alexander von der Thannen schickte dann auch noch nach, dass es im Sommer noch ein wenig schwieriger sei. Denn da falle auch das Alleinstellungsmerkmal mit Pistennähe weg und man unterscheide sich mehr oder weniger gar nicht mehr.

Ein Hotel wie guter Wein: Mit der Zeit immer besser geworden.

Ein Hotel wie guter Wein: Mit der Zeit immer besser geworden.

So ganz nehme ich ihm aber seine Aussage nicht ab. Ich möchte immer noch widersprechen, zumindest jetzt in dem Moment in dem ich diesen Text hier schreibe. Im Gespräch ist mir kein ordentlicher Konter eingefallen. Ich behaupte aber hier schlicht und einfach, dass man ein Hotel wie das „Trofana Royal“ nicht jeden Tag findet und die Küche von Martin Sieberer in der Verknüpfung von Regionalität und Weltoffenheit in dieser Form schon einzigartig ist. Aber ich denke eigentlich, dass es Alexander von der Thannen gar nicht darum ging.

Ich interpretiere seine Aussage in unserem Gespräch auch so: Es braucht kein aufgeregtes sich unbedingt abheben müssen. Es braucht keine künstlich erzeugten und um jeden Preis gesuchten Differenzen. Oft genügt auch schon die Kontinuität, das konstante Halten des Niveaus, das sich Gäste von einem 5-Sterne-Superior-Haus erwarten können. Oftmals genügt es, in die großen Fußstapfen von Hans von der Thannen zu treten und das „Trofana Royal“ in seinem Sinne weiterzuführen.

Ein wenig ist es also auch hier wie mit dem Wein, der im Weinkeller im „Trofana Royal“ in Ischgl lagert. Er wird immer besser. Fast wie von selbst, wenn man das, was vorhanden ist, nur richtig lagert und hegt und pflegt.

Es ist also nicht anzunehmen, dass das „Trofana Royal“ in Ischgl in nächsten Zeit ein „Bio-Hotel“ werden wird. Oder plötzlich extravagante Bier-Sorten verkauft. Oder es sich damit rühmt, das einzige Hotel in Tirol zu sein, in dem authentische indische Massage-Techniken angeboten werden. Das „Trofana Royal“ ist einfach das „Trofana Royal“. Und das ist eigentlich schon verdammt gut so!